Generalunternehmer vs. Einzelgewerke im Ladenbau

Bei der Planung eines Ladenbau-Projekts stehen Sie vor einer grundlegenden Entscheidung: Beauftragen Sie einen Generalunternehmer, der alle Leistungen aus einer Hand liefert? Oder vergeben Sie die einzelnen Gewerke separat an verschiedene Handwerker? Beide Ansätze haben ihre Berechtigung – doch die Wahl hat erhebliche Auswirkungen auf Kosten, Zeitaufwand und Ihre persönliche Belastung.

In diesem Beitrag vergleichen wir beide Modelle detailliert und helfen Ihnen, die richtige Entscheidung für Ihr Projekt zu treffen.

Was ist ein Generalunternehmer im Ladenbau?

Ein Generalunternehmer (GU) übernimmt die Gesamtverantwortung für Ihr Ladenbau-Projekt. Er koordiniert alle beteiligten Gewerke – vom Trockenbau über die Elektroinstallation bis zur Möbelmontage – und liefert Ihnen das fertige Geschäft zum vereinbarten Termin. Sie haben nur einen Vertragspartner und einen Ansprechpartner für alle Fragen.

Typische Leistungen eines Generalunternehmers im Ladenbau umfassen: Planung und Konzeption, Koordination aller Handwerker, Materialbeschaffung, Qualitätskontrolle und termingerechte Übergabe des fertigen Ladens.

Was bedeutet Einzelvergabe?

Bei der Einzelvergabe beauftragen Sie jeden Handwerker direkt: den Elektriker, den Maler, den Bodenleger, den Tischler und so weiter. Sie schließen mit jedem Gewerk einen separaten Vertrag und sind selbst für die Koordination der Arbeiten verantwortlich.

 

Der große Vergleich

Kriterium Generalunternehmer Einzelvergabe
Koordination GU übernimmt alles Sie selbst oder externer Bauleiter
Ansprechpartner Einer Mehrere (pro Gewerk)
Haftung GU haftet für alles Jeder Handwerker für sein Gewerk
Preistransparenz Festpreis möglich Einzelpreise sichtbar
Zeitaufwand Gering für Sie Hoch (Koordination, Kontrolle)
Flexibilität Geringer Höher bei Änderungen

Vorteile und Nachteile im Detail

Generalunternehmer

✓ Vorteile

  • Ein Ansprechpartner für alles
  • Festpreisgarantie möglich
  • Professionelle Koordination
  • Klare Haftung bei Mängeln
  • Terminsicherheit
  • Weniger eigener Zeitaufwand

✗ Nachteile

  • GU-Zuschlag auf Subunternehmerleistungen
  • Weniger Einfluss auf Handwerkerauswahl
  • Änderungen können teuer werden
  • Abhängigkeit von einem Partner

Einzelvergabe

✓ Vorteile

  • Freie Handwerkerauswahl
  • Transparente Einzelpreise
  • Kein GU-Aufschlag
  • Mehr Kontrolle über Details
  • Flexibilität bei Änderungen

✗ Nachteile

  • Hoher Koordinationsaufwand
  • Schnittstellenprobleme möglich
  • Unklare Haftung bei Mängeln
  • Terminrisiken durch Verzögerungen
  • Eigenes Fachwissen erforderlich

Die Kostenfrage: Was ist günstiger?

Auf den ersten Blick erscheint die Einzelvergabe günstiger, da kein GU-Zuschlag anfällt. Dieser Zuschlag liegt typischerweise bei 10-20 Prozent auf die Subunternehmerleistungen. Doch diese Rechnung greift zu kurz.

Versteckte Kosten der Einzelvergabe: Koordinationsaufwand, Leerlaufzeiten zwischen Gewerken, Nacharbeiten durch Schnittstellenfehler und mögliche Terminverschiebungen können den vermeintlichen Preisvorteil schnell aufzehren.

Ein erfahrener Generalunternehmer erzielt zudem oft bessere Einkaufskonditionen bei Materialien und Subunternehmerleistungen. Er kennt zuverlässige Partner und vermeidet teure Fehler durch professionelle Planung.

Rechenbeispiel

Nehmen wir ein Ladenbau-Projekt mit Gesamtkosten von 80.000 Euro an:

  • Einzelvergabe: 80.000 € Handwerkerkosten + eigener Zeitaufwand (ca. 100 Stunden) + Risikozuschlag für Verzögerungen
  • Generalunternehmer: 80.000 € + 15% GU-Zuschlag = 92.000 € – aber: bessere Einkaufskonditionen, kein eigener Zeitaufwand, Festpreisgarantie

Am Ende kann die GU-Lösung sogar günstiger sein – vor allem, wenn man den eigenen Zeitaufwand realistisch bewertet.

Das Risiko der Schnittstellenprobleme

Bei der Einzelvergabe liegt eines der größten Risiken in den Schnittstellen zwischen den Gewerken. Ein typisches Beispiel: Der Elektriker verlegt seine Leitungen, danach kommt der Trockenbauer. Später stellt sich heraus, dass eine Steckdose an der falschen Stelle sitzt. Wer ist schuld? Der Elektriker, der Trockenbauer oder Sie selbst, weil die Abstimmung fehlte?

Bei einem Generalunternehmer ist die Antwort klar: Er haftet für das Gesamtergebnis und muss auf eigene Kosten nachbessern. Bei Einzelvergabe beginnt oft ein Schwarzer-Peter-Spiel.

Wann ist welches Modell sinnvoll?

 

Generalunternehmer empfohlen bei:

  • Komplexen Projekten mit vielen Gewerken
  • Wenig eigener Zeit für die Baustellenkoordination
  • Fehlender Fachkenntnis im Baubereich
  • Festen Terminvorgaben (z.B. saisonale Eröffnung)
  • Wunsch nach Festpreis und Planungssicherheit
  • Filialisten mit einheitlichen Standards

Einzelvergabe kann sinnvoll sein bei:

  • Kleinen, überschaubaren Projekten
  • Eigener Bauerfahrung und Fachkenntnis
  • Viel verfügbarer Zeit für die Koordination
  • Bestehenden, vertrauensvollen Handwerkerbeziehungen
  • Wunsch nach maximaler Kontrolle über jedes Detail
  • Sehr knappem Budget ohne Spielraum

Die Hybridlösung: Teilgewerke vergeben

Es gibt auch Zwischenlösungen: Sie können einen Generalunternehmer für die Kernleistungen beauftragen (z.B. Trockenbau, Elektro, Möbelbau) und einzelne Gewerke selbst vergeben (z.B. Malerarbeiten). So kombinieren Sie die Vorteile beider Modelle.

Achten Sie bei dieser Variante jedoch auf klare Schnittstellendefinitionen und eindeutige Verantwortlichkeiten im Vertrag. Es muss klar geregelt sein, wer für welche Leistung verantwortlich ist und wo die Übergabepunkte liegen.

Worauf Sie bei der GU-Auswahl achten sollten

Wenn Sie sich für einen Generalunternehmer entscheiden, sollten Sie bei der Auswahl sorgfältig vorgehen. Folgende Punkte sind wichtig:

 

  • Referenzen: Lassen Sie sich vergleichbare Projekte zeigen
  • Erfahrung in Ihrer Branche: Kennt der GU die spezifischen Anforderungen?
  • Festpreisangebot: Ist ein verbindlicher Festpreis möglich?
  • Termingarantie: Welche Konsequenzen hat eine Terminüberschreitung?
  • Finanzielle Stabilität: Ist das Unternehmen solide aufgestellt?
  • Kommunikation: Haben Sie einen festen Ansprechpartner?

Vertragliche Absicherung

Unabhängig davon, welches Modell Sie wählen, ist die vertragliche Absicherung entscheidend. Bei einem GU-Vertrag sollten folgende Punkte klar geregelt sein: Leistungsumfang, Festpreis mit Zahlungsplan, Terminplan mit Meilensteinen, Gewährleistungsfristen, Regelungen für Änderungen und Nachträge sowie Vertragsstrafen bei Verzug.

Bei Einzelvergabe benötigen Sie entsprechende Regelungen in jedem einzelnen Vertrag. Zusätzlich sollten Sie die Schnittstellen zwischen den Gewerken schriftlich definieren – am besten in einem übergreifenden Dokument, das allen Handwerkern bekannt ist.

Fazit: Die richtige Wahl für Ihr Projekt

Die Entscheidung zwischen Generalunternehmer und Einzelvergabe hängt von Ihren individuellen Voraussetzungen ab. Für die meisten Einzelhändler, die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren möchten, ist der Generalunternehmer die bessere Wahl. Er bietet Sicherheit, spart Zeit und liefert ein garantiertes Ergebnis.

Die Einzelvergabe kann bei kleinen Projekten und vorhandener Bauerfahrung funktionieren – erfordert aber erheblichen Eigenaufwand und birgt Risiken bei den Schnittstellen.

Unser Tipp: Lassen Sie sich von erfahrenen Ladenbauern beraten, welches Modell für Ihr konkretes Projekt am sinnvollsten ist. Eine gute Beratung zeigt Ihnen transparent die Vor- und Nachteile beider Wege auf.

 

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